Eure Herren gehen – unser Herr aber kommt!

Eure Herren gehen – unser Herr aber kommt!

Als ich diese Zeilen schrieb, wurde in den USA ein neuer Präsident eingeführt. Ein Präsident, von dem jede getwitterte Silbe internationale Schlagzeilen machte, noch bevor er in Amt und Würden war. Ob mit Angst, Sorge, Genugtuung oder gar Hoffnung – alle Welt scheint wie gebannt auf ihn zu schauen. Die ihm geschenkte Aufmerksamkeit vermittelt den Eindruck, als würde dieser Präsident alle Vorhergehenden an Bedeutung übertrumpfen.

Gleichzeitig hielt in einem kleinen Land Afrikas ein abgewählter Präsident an seiner Macht fest. Doch was dort geschah, scheint für den Rest der Welt irrelevant zu sein. Wiederum gleichzeitig tritt der Bundespräsident Deutschlands ab, freiwillig. Seine gut reflektierte und wohlformulierte Abschiedsrede von 45 Minuten machte ebenfalls keine internationalen Schlagzeilen.

Wie kommt es zu diesem ungleichen Maß an Aufmerksamkeit, das verschiedenen Staatsoberhäuptern dieser Welt zu Teil wird? Ich meine, das Maß an Aufmerksamkeit steht in direktem Verhältnis zur perceived power, dem angenommenen Einfluss dieser Staatsoberhäupter auf Wohlstand und Sicherheit in der Welt.

Wie reagieren Christen auf die gegenwärtigen Befürchtungen besorgter Mitmenschen? Ich schlage vor, mit dem urchristlichen Bekenntnis: „Jesus Christus ist der Herr!“. Gustav Heinemann (später Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland), hat es 1950, nach Ende des zweiten Weltkriegs und zu Beginn des kalten Krieges, so formuliert:

„Unsere Freiheit wurde durch den Tod des Sohnes Gottes teuer erkauft. Niemand kann uns in neue Fesseln schlagen, denn Gottes Sohn ist auferstanden. Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen – unser Herr aber kommt!“

Jesus selbst hat das kommende Reich Gottes angekündigt. Doch nach drei Jahren der öffentlichen Wirksamkeit zog er auf einem halbwüchsigen Esel nach Jerusalem ein und wurde einige Tage später hingerichtet. Er hinterließ gerade mal die Kleider, die er am Leib trug und seinem Richter erklärte er: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Dennoch gibt es keinen anderen Mann in der Menschheitsgeschichte, dessen Reden so viele Menschen inspirierte, der so viele Menschenherzen in Liebe eroberte, der von so vielen Menschen als König verehrt wird. Und: Kein Machthaber wird so viele Followers haben. Doch das ist nur ein Vorlauf dessen, was wir erwarten.

Eine Frau, die wegen einer Familienfeier mit uns in den Gottesdienst kam, zeigte sich überrascht, als sie die Worte von Off 22,20 über dem Rednerpult sah: „Ich komme bald. Amen, ja komm, Herr Jesus.“ Sie fragte mich nach dem Gottesdienst: „Glauben Christen, dass Jesus noch einmal kommt?“

In einer Zeit, in welcher die Mächtigen die Welt verunsichern,  gilt es vom kommenden Reich Gottes zu sprechen und von der guten Herrschaft Jesu Christi, die jetzt schon im Herzen von Menschen beginnt. Wo Christen das tun, setzt sich die Apostelgeschichte fort, die mit den Worten schließt: „…und predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert“ (Apg 28,31). Christen geht es um weit mehr, als um Sicherheit und Wohlstand. Deshalb schauen sie nicht wie gebannt auf die Mächtigen der Welt, sondern weisen mit froher Erwartung auf Jesus Christus und beten: „Amen, ja komm, Herr Jesus.“

Tobias Menges

(M.A., Columbia International University, USA) ist seit 2013 Studienleiter des B.A. Programms der ESCT. Davor arbeitete er viele Jahre bei OM mit.

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31.01.2017