Think Globally!

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Think Globally!

Zur Vorbereitung auf unsere Mitarbeit bei WEC International haben wir uns sechs Wochen im damaligen Internationalen Zentrum des WEC in Bulstrode bei London aufgehalten. Ich habe eine Art Praktikum im International Research Office des WEC bei Patrick Johnstone, dem Herausgeber und Verfasser von Operation World (deutsch: Gebet für die Welt), gemacht. Dabei habe ich die geistliche Dynamik dieses Projektes schätzen gelernt – und seinen Optimismus.

Dabei macht uns der Bedeutungsverlust von Kirche und Christentum in Europa nicht gerade optimistisch. Ein Pfarrerkollege, der vor 21 Jahren in einem Nachbarort von Biblis, wo ich neben meiner Dozententätigkeit an der AWM mit einem halben Dienstauftrag als Pfarrer tätig bin, seinen Dienst begonnen hat, sagte kürzlich: Als ich anfing, hatten wir 2.400 Gemeindemitglieder, jetzt sind es 1.800. Ein Minus von 25% in gut 20 Jahren – die demographische Entwicklung und die Kirchenaustritte hinterlassen ihre Spuren…

Als wir uns vor einigen Jahren bei einer WEC-Konferenz begegneten, fragte ich Patrick Johnstone: Wie kommt es, dass Peter Brierley und Du zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommt? Ihr benutzt doch die gleiche database?
Während Peter Brierleys World Churches Handbook ein pessimistisches Bild von der Zukunft der Christenheit zeichnet, sprühen Patricks Werke vor Optimismus, wie bei diesem schon der Titel sagt: The Church Is Bigger Than You Think (deutsch: Viel größer als man denkt – Auftrag und Wachsen der Gemeinde Jesu) oder: The Future of the Global Church. Patricks Antwort war: Peter denkt im europäischen Kontext, I think globally.

Europa war für viele Jahrhunderte das Zentrum der Christenheit und auch das Zentrum geistlicher Dynamik. Längst finden wir geistliche Dynamik in anderen Teilen der Welt, während manche Missionstheologen von Europa als dem im geistlichen Sinne new dark continent sprechen. Nach den neuesten Statistiken zählen Lateinamerika und Afrika inzwischen jeweils mehr Christen als Europa.

Wir in Europa brauchen die Berichte über Gottes Handeln in anderen Teilen der Welt, wir brauchen die Begegnungen mit Mitchristen aus Asien, Afrika, Lateinamerika, auch damit wir das größere Ganze sehen und aus den Berichten über Gottes Handeln in anderen Teilen der Welt neuen Optimismus gewinnen im Blick auf die Zukunft der Christenheit.

Ich hoffe und bete daher, dass, nachdem Patrick Johnstone in den Ruhestand gegangen ist, das Projekt Operation World im selben optimistischen Geist weitergeführt wird.

An der AWM ist es unser Anliegen, Missionstheologie mit globaler Perspektive ins Gespräch zu bringen, und damit etwas von dem Optimismus zu vermitteln, zu dem das Handeln Gottes in anderen Teilen der Welt anregt.

Klaus Wetzel
(Dr. theol. Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz) ist seit 1994 Dozent bei ESCT mit einem halben Dienstauftrag und Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau bei Biblis. Davor 6 Jahre Auslandser ...
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01.07.2017