“A Devil Priest at Work” – Mose und der midianitische Priester Jitro

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Ich blättere eine alte Missionszeitschrift durch. Mein Blick fällt auf eine Fotografie. Man sieht einen afrikanischen Tänzer mit traditioneller Maske in tänzerischer Pose. Mit Interesse lese ich die Bildbeschriftung: „A Devil Priest at Work, Sierra Leone“. Diese Äußerung macht mich stutzig. Ich frage mich, wie man dazu kommen konnte, diesen Tänzer als Teufelspriester zu bezeichnen. Vermutlich wird das traditionell Afrikanische den damaligen Betrachtern unheimlich vorgekommen sein.

Auch die Bibel erzählt von einem Mann, von dem man nicht so recht weiß, wie man ihn religiös einschätzen soll: Jitro (Ex 18). Er wird als ein Priester von Midian vorgestellt. Wie seine religiösen Riten aussahen und ob er bei diesen eine Maske trug, wird nicht erwähnt. Ohne große Erklärung wird erzählt, dass Mose Jitros Tochter heiratet. Interessant ist das Verhalten von Mose gegenüber seinem neuen „heidnischen“ Schwiegervater. Nachdem Mose Großes mit Gott erlebt hatte, kommt es zu einem erneuten Treffen mit Jitro. Er neigt sich vor ihm nieder und küsst ihn. Wow, denke ich, der Knecht Gottes Mose scheint keine Berührungsängste zu haben. Vielmehr erzählt er diesem midianitischen Priester von seinem Gott und wie dieser eingriff und das Volk Israel aus der Sklaverei des mächtigen Pharaos befreit hat. Voller Begeisterung bezeugt er die großen Machttaten Gottes. Und wie reagiert der „heidnische“ Priester Jitro darauf? Bemerkenswerterweise freut sich dieser mit Mose und kommt zu dem erstaunlichen Ausspruch: „Gelobt sei der Gott Israels, der euch aus der Hand des Pharaos errettet hat.“ Ihn scheint das schlichte Zeugnis von Mose überzeugt zu haben. Abschließend wird im biblischen Text erwähnt, dass Jitro dem Gott Israels ein Brandopfer bringt. Das zeigt seine Hinwendung zu diesem Gott.

Beim Nachdenken über diese Geschichte bestätigt sich für mich, dass unsere kulturorientierten Studienkurse und Weiterbildungsangebote an der AWM sehr sinnvoll sind. Sie helfen, fremdes Verhalten einzuschätzen, wertzuschätzen und, wie Mose es tat, angemessen auf kulturelles und religiöses Anders-Sein zu reagieren. Mit großem, kulturellem Verständnis begegnete er seinem Schwiegervater, zollte ihm den gebotenen Respekt und ehrte ihn. Gleichwohl bezeugte er Jitro seinen Glauben. Schließlich – und das ist die schöne Pointe der Geschichte – wendet sich dieser „Heide“ dem Gott Israels zu.

Elmar Spohn

(D.Th., University of South Africa) war acht Jahre Missionar in Tansania und ist seit 2013 Dozent für interkulturelle Studien bei ESCT.

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(Bildnachweis: The Church Missionary Outlook Vol. LVII Nov 1931, Seite 223)

30.05.2022